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Von wegen Wolkenkuckucksheim!

In Texas wird Kunst auf die Straße geholt

Der "Traveling Man" in Dallas, Texas. - Foto: Dallas Convention & Visitors Bureau Der "Traveling Man" in Dallas, Texas. - Foto: Dallas Convention & Visitors Bureau

Alles ein wenig anders in Texas – dieses Motto gilt auch für die Kunst im Lone-Star-State. Die Texaner mögen’s bunt und freundlich und sind für jedes Thema offen. So wundert es nicht, dass nahezu jede Stadt ihre Graffitis hat, Sprayer selbst vor Mariendarstellungen nicht zurückschrecken und Gemeinden bei öffentlichen Projekten Geld für Kunst „abzwacken“. Dank dieses unkonventionellen Zugangs ist Street Art in Texas fröhlich, einend und auf höchst bodenständige Art zum Träumen und Nachdenken einladend.

Hell erleuchtet im Glauben: San Antonios religiöse Streetart
Religion reloaded: In San Antonio wird Glaube zu bunten Graffitis und Kirchen zu Schauplätzen imposanter Licht-Musik-Shows. So thront etwa Unsere Liebe Frau von Guadalupe haushoch an einem Gebäude – aufgesprayt auf eine einer Kerze nachgeformten Oberfläche. Die Kathedrale von San Antonio wiederum wird regelmäßig von einer eindrucksvollen Lichtinstallation erhellt. Die Choreografie aus Licht und Musik wurde vom französischen Künstler Xavier de Richemont entwickelt und zeigt die Geschichte der Stadt, die exemplarisch für die Geschichte Texas‘ steht. Beide Kunstwerke sind zugleich Zeugen der engen Verbindung zu Mexiko, die in Texas allgegenwärtig spürbar ist: Unsere Liebe Frau von Guadalupe ist etwa das bedeutendste Marienheiligtum Mexikos, während die Architektur der Kathedrale koloniales Erbe in Reinform ist.

Straßenkunst mit Festivalcharakter: Houstons Mural Festival
Hochhausschluchten, Stahl und Glas – wer Skylines liebt, ist in Houston genau richtig. Die Stadt ist der Inbegriff moderner Architektur und mit einem ganzen Museumsviertel ein Fixpunkt für Kunstliebhaber, die Texas besuchen. Dazwischen aber wachsen eindrucksvolle Murals an Hausmauern hoch, schmiegen sich kleine Graffitis an Brückenpfeiler und leuchten bunte Schriftzüge aus Hinterhöfen. Zu verdanken ist dies unter anderem dem jährlich stattfindenden Houston Mural Festival, das sich zum Ziel gesetzt hat, die coolsten Künstler in der Stadt zu versammeln. Wer die Stadt unter diesem Aspekt erkunden möchte, trifft bei regelmäßig stattfindenden Mural Tours auf wahre Experten und Liebhaber, die Einblicke in die Szene bieten.

Campus der Farben und Formen: Lubbocks kunstvolles Univiertel
Kunst im öffentlichen Raum ist Programm am Campus der Texas Tech University in Lubbock. Nicht weniger als 100 Kunstwerke bekannter Namen sind über das Gelände verstreut, denn ganz gemäß dem Grundprinzip einer Universität soll der öffentliche Raum zum Verweilen, Nachdenken, Dinge-Überdenken und Staunen einladen. Finanziert wird das Projekt durch öffentliche Gelder: Ein Prozent der Kosten jedes öffentlichen Projekts wird in einem Topf gesammelt. Damit werden später die Kunstwerke gekauft. Eine Broschüre weist den künstlerischen Weg über den Campus und erklärt Idee und Hintergrund zu jedem der eindrucksvollen und höchst unterschiedlichen Kunstwerke.

You’ll never walk alone: Dallas‘ Deep-Ellum-Viertel
Eine bewegte Geschichte hat es hinter sich – das Viertel Deep Ellum in Dallas. Es war Industriestätte, Schmelztiegel der Kulturen, Entertainmentviertel und ist heute Treffpunkt einer pulsierenden Kunstszene. Knapp 50 Murals finden sich in den Ecken des Stadtteils; und dennoch zieht vor allem eine Kunstinstallation alle Blicke auf sich: Der Traveling Man besteht aus mehreren riesigen Roboterfiguren, die die Entwicklung des Reisenden erzählen. Die Geschichte behauptet, er wäre früher eine Lokomotive gewesen, ein Relikt aus der industriellen Ära des Viertels. Ein paar Tropfen Gin und aus dem Zug wurde eine fröhliche Figur, die daran erinnert, dass das Leben eine Reise ist, die man nicht alleine macht. Street Art kann auch Poesie sein!

(IAM)

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