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Louisiana – Wo deutsche Wurzeln auf französisches „Laissez faire“ trafen

Live Musik im Blue Moon Saloon. - Foto: Eric Lindberg/Blue Moon Saloon Live Musik im Blue Moon Saloon. - Foto: Eric Lindberg/Blue Moon Saloon

Louisiana – da denken viele an französische Siedler, spanische, afro-amerikanische und karibische Einflüsse. Dass es in Louisiana auch deutsche Einwanderer gab, die hier ihre Spuren hinterlassen haben, ist den meisten nicht bekannt, denn die deutschen Einflüsse in Louisiana sind vordergründig oft nicht zu erkennen – und doch sind sie da. Immerhin stellen die deutschen Siedler bzw. deren Nachkommen eine der größten Volksgruppen der Region dar.

Als eine der ersten Auswanderergruppen ließen sich Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche deutschstämmige Pioniere an den Ufern des Mississippi westlich von New Orleans nieder. Ein Großteil der Siedler stammte aus dem Rheinland und den deutschsprachigen Teilen der Schweiz. Die Vielzahl an deutschsprachigen Einwanderern, die sich dieses Gebiet aller Widrigkeiten wie Überflutungen und schweren Stürmen zum Trotz zu Nutze machten, brachte der Region den Namen „German Coast“ bzw. „Côte des Allemands“ ein. Obwohl sie heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist, zählt die deutsche Siedlung in Louisiana zu den ältesten in den USA.

Schnell begannen die deutschen Neuankömmlinge, sich mit den bereits dort ansässigen französischen Siedlern zu identifizieren. Sie heirateten ein und legten ihre Sprache weitestgehend ab. Sogar die deutschen Namen wurden ins Französische umgewandelt, so dass das deutsche Erbe nach und nach verloren ging. Grund dafür war, dass viele der deutschen Einwanderer Analphabeten waren, während die französischen Siedler über ein recht gutes Bildungssystem verfügten. Es gab keine deutschen Schulen, keine Bücher, Schriftstücke oder kulturelle Hinterlassenschaften – all das führte dazu, dass die deutsche Kultur, Sprache und Namen an der German Coast mehr und mehr verloren gingen. So wurde etwa aus dem deutschen Namen Troxler das französische Trosclair, aus Huber wurde Oubre – solche Beispiele gibt es viele. Mit dem Eintreffen der Akadier in der Region in den 1760er Jahren, passten sich die dort ansässigen Deutschen noch mehr an die französische Kultur und Lebensweise an

Die ersten Siedlungen der Deutschen in dem Gebiet, das heute das St. Charles Parish ist, waren Hoffen, Mariental und Augsburg. Die deutschen Siedler etablierten eine florierende Landwirtschaft in der Region, die auf Grund der Fülle und Menge der dort kultivierten Nutzpflanzen bald als „Brotkorb“ bekannt war. Auch die Märkte in New Orleans wurden mit Produkten von der German Coast beliefert.

Schmackhafte Küche - Cajun trifft Deutschland. - Foto: Werner Krug

Schmackhafte Küche – Cajun trifft Deutschland. – Foto: Werner Krug

Überhaupt ist der deutsche Einfluss gerade in dieser Region Louisianas spürbar, wenn auch ein wenig versteckt. Die für die Region so typische Andouille Wurst beispielsweise unterscheidet sich stark von der in Frankreich servierten Variante. Während die französische Andouille aus Innereien hergestellt wird, besteht die kreolische bzw. Cajun Variante in der Regel aus Schweineschulter – als Grund dafür wird der Einfluss der deutschen Einwanderer genannt, die auf eine lange Metzger-Tradition zurückblicken konnten. Über die Jahre hat sich der deutsche mit dem französischen Einfluss vermischt und so die für die Region typische Wurst geschaffen – mit ihrem ganz eigenen Charakter.

Ebenfalls den deutschen Siedlern zugesprochen, wird ein weiteres wichtiges Gut der Cajun-Kultur: das Cajun Accordion.
Deutsche Farmer sollen das Instrument – oder einen Vorläufer davon, das Melodeon (eine Handharmonika) – mit in die USA gebracht haben, wo es Mitte des 19. Jahrhunderts eine solche Popularität erreichte, dass es in fast allen ansässigen Geschäften erhältlich war. Egal ob Kleidung oder Farmbedarf – fast überall konnte das „German Style Accordion“ erworben werden und war bald als eines der tragenden Elemente der Cajun-Musik nicht mehr wegzudenken. Besonders beliebt war das Instrument in den Regionen der Reisfarmer rund um Crowley, heute als „Rice Capitol of the World“ bekannt. Wenn auch die deutsche Historie des Akkordeons in Louisiana nicht hundertprozentig geschichtlich belegt ist, so ist es aber dennoch Fakt, dass das Instrument die Musik der Region entscheidend geprägt hat und, dass auch heute noch keine Cajun-Band ohne das typische Accordion auskommt.

Überall treffen die Besucher auf die deutschen Wurzeln der Region. - Foto: WTS GmbH GACC

Überall treffen die Besucher auf die deutschen Wurzeln der Region. – Foto: WTS GmbH GACC

Wer gerne ein wenig auf den Spuren der deutschen Siedler in Louisiana wandeln möchte, der sollte einen Besuch in Gretna einplanen. Das Städtchen in der Nähe von New Orleans verfügt über das German-American Cultural Center (GACC), ein informatives Besucherzentrum, in dem man durch Ausstellungen, Lesungen, verschiedenen Programmen und Veranstaltungen vieles über die Geschichte und Traditionen der deutschen Einwanderer erfahren kann. Des weiteren ist das GACC an der Organisation von Veranstaltungen wie dem jährlichen Maifest oder dem beliebten Oktoberfest beteiligt und auch am Weihnachtsfest werden deutsche Feiertagstraditionen gepflegt. Darüber hinaus verfügt Gretna über eines der größten historischen Stadtviertel in Louisiana mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten und beeindruckender Architektur. Ein Abstecher nach Gretna lohnt sich also allemal!

(IAM)

 

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