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Amerika im Fernsehen

Weltspiegel-Reportage: Schicksal Schule? - So gerecht ist Amerika!

Sender: NDR
Datum: 27. Oktober 2018
Beginn: 12:15 Uhr
Ende: 13:00 Uhr

Inhalt:

„Keine Schulbücher für Kinder, nicht ausreichend Gehalt für Lehrer, um davon leben zu können, kein kostenfreies College, aber Geld, um Lehrer zu bewaffnen.“ So beschreibt David Hogg, einer der Schüler, der das Massaker in Parkland, Florida, überlebt hat, die finanzielle Situation in US-amerikanischen öffentlichen Schulen. Und er übertreibt nicht. Die Lage an den öffentlichen Highschools ist häufig erschreckend desolat. Berichte von frierenden Kindern, in deren Schule im Winter über Wochen die Heizung ausfällt, von verstopften Toiletten, die nicht repariert werden, gehören zum Schulalltag. Aber es gibt auch das genaue Gegenteil: wahre Luxusschulen, in denen jedes Kind seinen eigenen Laptop hat, in denen es die besten Sportanlagen gibt, in denen viele Schüler individuell von hoch motivierten Lehrern gefördert werden.

Woher kommen diese großen Unterschiede, die darüber entscheiden, welche Chancen Schülerinnen und Schüler haben? Die „Weltspiegel-Reportage“ ist in drei Bundesstaaten gereist – Arizona, Ohio und Virginia – und hat dort Schüler kurz vor ihrem Highschool-Abschluss begleitet. Die geographische Lage entscheidet über vieles, denn die Schulen finanzieren sich zu einem großen Teil über die in der Gegend erhobenen Grundsteuern. Je wohlhabender ein Viertel ist, desto größer der Wert der dort stehenden Häuser, desto höher die Steuereinnahmen.

Tanner lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter und den drei jüngeren Geschwistern in einer Kleinstadt in Arizona. Seine Mutter hatte Drogenprobleme. Tanner musste während seiner Schulzeit immer wieder auch Ersatzvater für seine Schwestern und seinen Bruder sein. Zeit zum Lernen blieb da nicht viel. Inzwischen hat sich seine Mutter gefangen, und er wird in wenigen Wochen seinen Highschool-Abschluss in der Tasche haben. Er will dann zum Militär. Geld für ein Studium hat er nicht. Unterstützung bekommt er nicht. Die Bilanz seiner Schulzeit ist durchwachsen.

Ganz anders ergeht es Marissa Sumathipala in Virginia. Die Tochter indischer Eltern ist einer der Stars ihrer Schule, die in einem wohlhabenden Bezirk liegt. Sie strebt eine Karriere als Wissenschaftlerin an, hat diverse Stipendien gewonnen und ein Platz in Harvard ist ihr sicher. Bildung spielte in ihrem Elternhaus eine große Rolle. Und die Voraussetzungen an ihrer Schule waren bestens. Lehrer erkannten Marissas Begabung und haben das Mädchen intensiv gefördert.

Die Eltern der Zwillinge Jeana und Jejuan Weatherspoon wollten, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Sie haben daher eine Sondergenehmigung erwirkt, dass die beiden einen Platz an einer besseren Schule in einem anderen Bezirk der Stadt Columbus in Ohio bekommen. Die Schule in ihrem Wohnviertel hatte aus Sicht der Eltern einen zu schlechten Ruf, mit hoher Kriminalität und Drogenmissbrauch. Und da die Familie wenig Geld hat, hat der Vater großen Wert darauf gelegt, dass seine Kinder so gut im Sport werden, dass ihnen das den Weg für ein Stipendium öffnet. Jeana und ihr Bruder Jejuan gehören in der Schule zu den Basketballstars. „Sport spielt eine große Rolle in unserem Leben. Er hilft uns, das zu erreichen, was wir erreichen müssen.“ Durch den Leistungssport kamen die beiden an viele andere Schulen und erlebten die Unterschiede. „Das ist natürlich unfair, aber das Leben ist nicht fair.“

Das Schul- und Bildungssystem und die Frage nach Gerechtigkeit und Chancengleichheit werden auch bei den Zwischenwahlen im November Thema sein. Dann wählen die Amerikaner das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu. Die Wahlen liegen genau in der Mitte der Amtszeit des US-Präsidenten.

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