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Heimat der Mounties

Saskatchewan, Kinderstube der sympathischen Botschafter Kanadas

Mounties in Kanada blicken auf eine lange Tradition zurück. - Foto: Tourism Saskatchewan/Greg Huszar Photography Mounties in Kanada blicken auf eine lange Tradition zurück. - Foto: Tourism Saskatchewan/Greg Huszar Photography

Ungeduldig rutsche ich auf meinem eigens mitgebrachten Klappstuhl hin und her. Gleich geht es los. In der Ferne höre ich schon die Trommeln. Da! Jetzt kommen sie um die Ecke marschiert. Das Musikkorps führt die Truppe an, dicht gefolgt von den Mounties in ihren berühmten roten Paradeuniformen. In Reih und Glied ziehen sie im Gleichschritt an uns vorüber und verziehen dabei keine Miene. Nun kommt die Kanone – ein altmodisches Relikt aus längst vergangenen Tagen – bevor die berittenen Polizisten die Nachhut bilden. Der Platz vor der weißen Militärkapelle ist inzwischen gut gefüllt von RCMP Offizieren und Kadetten. Und ich bin mitten drin, in der Sunset Retreat Ceremony.

Es ist Dienstag, früher Abend. Mein Timing ist perfekt, denn ausgerechnet heute liegt die Provinzhauptstadt Regina auf der Route meiner Saskatchewan-Rundreise. Jeden Dienstag findet hier nämlich in den Sommermonaten auf dem Gelände der RCMP Depot Division eine der ältesten Militärparaden Kanadas statt. Die Sunset Retreat Ceremony geht auf eine britische Militärtradition aus dem 18. Jahrhundert zurück. Zum Sonnenuntergang wurde seinerzeit ein einzelner Trommler in die Straßen der Stadt geschickt, um den Wirten das Signal zu geben, die Tavernen zu schließen und die Soldaten zur Rückkehr zum Stützpunkt aufzufordern. Sobald letztere dort eingetroffen waren, wurde die Flagge mit einer Zeremonie eingeholt und der Tag galt offiziell als beendet.

Heutzutage ist die Sunset Retreat Ceremony ein absolutes Muss für alle Besucher, die sich für die kanadische Polizei im Allgemeinen und die Entstehungsgeschichte der „Royal Canadian Mounted Police“ – kurz RCMP – im Besonderen interessieren. 90 Minuten dauert das farbenfrohe Spektakel, das neben der Parade mit Militärmusik und dem Einholen der kanadischen Flagge auch eine beeindruckende Präsentation von Exerzierübungen nach einem bestimmten militärischen Zeremoniell beinhaltet. Mit ihrer traditionellen Paradeuniform sind die Offiziere der RCMP, weltweit als „Mounties“ und sympathische Botschafter Kanadas bekannt, die Stars des Abends. Sie sehen aber auch wirklich schmuck aus: Waffenrock in leuchtendem Rot und mit königsblauem Abzeichen, gelbe Knöpfe und Tressen, dunkelblaue Reithosen, Reitstiefel und der berühmte breitkrempige Hut – die Kameras der Zuschauer klicken auf Hochtouren! Als krönender Abschluss wird die alte Kanone abgefeuert – ohrenbetäubend und mit mächtig viel Qualm.

Wie gut, dass ich am Nachmittag schon das RCMP Heritage Centre besucht habe. Dieses „Mounty-Museum“ informiert multimedial und interaktiv über die legendäre Geschichte der kanadischen Polizei. Die Entstehung und Entwicklung der Provinz Saskatchewan ist einzigartig mit der Geschichte der RCMP verbunden, die sich früher North West Mounted Police nannte. Fort Walsh in den hügeligen Cypress Hills im Südwesten der Provinz war von 1875 – 1883 das ursprüngliche Hauptquartier. Heute ist das Fort eine National Historic Site, an der Mitarbeiter in zeitgenössischen Kostümen das Lebensgefühl der North West Mounted Police wieder aufleben lassen. Die Überreste des weiter nördlich gelegenen Fort Battleford erinnern an die bedeutende Rolle, die das Fort beim Aufstand der Métis – den Nachfahren europäischer Pelzhändler und Frauen indianischer Abstammung – und lokaler Sippen vom Stamm der Cree und Assiniboine First Nations gegen die kanadische Regierung im Rahmen der Nordwest Rebellion im Jahr 1885 spielte.

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Die Geschichte der Ankunft der Mounties im Westen des Landes kann ohnehin nicht ohne das Verständnis ihrer frühen Interaktion mit den Ureinwohnern Kanadas erzählt werden. Überall in der Provinz zollen Sehenswürdigkeiten und Gedenkstätten Anerkennung für diese entscheidenden Episoden in der Geschichte Saskatchewans. Wood Mountain Post nahe der US-amerikanischen Grenze beispielswiese dokumentiert das Verhältnis und den respektvollen Umgang zwischen Major James Walsh und dem legendären Stammesältesten Sitting Bull. Der heutige Highway No. 13 – auch als Red Coat Trail bekannt – folgt darüber hinaus in etwa der Route des großen Marsches nach Westen, dem epischen Treck der North West Mounted Police nach Westkanada im Jahr 1874.

Zweifelsohne sind die Mounties heute ganz besonders mit Saskatchewans Hauptstadt Regina verbunden. Schließlich steht hier Kanadas einzige Trainingsakademie für den Polizei-Nachwuchs und somit die Kinderstube der RCMP. Jeder junge kanadische Polizist muss in Regina seine Grundausbildung absolvieren. Über 1.000 Kadetten machen hier jedes Jahr ihren Abschluss. Besucher können das Trainingscamp im Rahmen von täglichen Führungen in Augenschein nehmen.

Ihr reiterliches Können stellen die Mounties seit über hundert Jahren mit einer einzigartigen, mitreißenden Musikparade unter Beweis: dem berühmten „Musical Ride“. Er ist das absolute Aushängeschild und der ganze Stolz der kanadischen Polizei! 32 berittene RCMP Offiziere präsentieren hierbei eine Fülle an choreographisch komplexen Figuren unter dem Drill einer Kavallerie. Für nationale und internationale Auftritte reist die berühmte Truppe von Reitern und Pferden um die Welt und macht in diesem Sommer Station in Saskatchewan – ganz nach dem Motto „Back to the roots“! An insgesamt 13 Stationen wird der Musical Ride von Anfang Juli bis Anfang August 2015 innerhalb der Provinz aufgeführt, darunter Saskatoon und Regina sowie am 21. Juli auch an der Fort Walsh National Historic Site. Nachdem das Fort nach dem Abzug der Truppen im Jahr 1883 mehr oder weniger leer stand, wurde es von 1942 bis 1968 zur Aufzucht der Pferde für die berittene Polizei sowie den Musical Ride genutzt. Authentischer könnte eine Location kaum sein!

(IAM)

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