News Ticker

Das Festival der Zigarrenkisten-Gitarren

In Clarksdale feiern Blues-Fans eine Südstaaten-Tradition

Greg Mitchell von St. Blues Guitars in Memphis mit einer seiner Cigar Box Guitars. - Foto: Verkehrsbüro der Stadt Memphis und des Staates Mississippi Greg Mitchell von St. Blues Guitars in Memphis mit einer seiner Cigar Box Guitars. - Foto: Verkehrsbüro der Stadt Memphis und des Staates Mississippi

Handgemachte Gitarren aus gebrauchten Zigarrenkisten, Radkappen und anderen ungewöhnlichen Materialien sind das Thema des Clarksdale International Cigar Box Guitar Festival vom 21. bis 24. September im US-Staat Mississippi.

Der Blues erwuchs den Baumwollfeldern des Mississippi Delta: dem ehemaligen Schwemmland des Ol‘ Man River rund um Memphis, Tennessee. So reich dieser Teil der USA musikalisch auch ist, herrschte dort lange Zeit bitterer Mangel an allem anderen. Viele Musiker hatten kaum das Geld, Instrumente zu kaufen. Also bauten sie sich selbst welche. Vor allem Zigarrenkisten verwandelten sie in Blues-Gitarren, griffen später auch gern zu gebrauchten Auspuffen, Benzinkanistern oder Radkappen. Aus der Not wurde eine Kunst.

Das Clarksdale International Cigar Box Guitar Festival feiert diese Südstaaten-Tradition vom 21. bis 24. September. Auf den Straßen der Kleinstadt Clarksdale im Norden des Mississippi Delta wetteifern Bastler um Auszeichnungen für die besten Kreationen. Den Höhepunkt des Festivals markieren ein kostenloses Open-Air-Konzert des Delta Blues Museum am Samstag, 23. September und am selben Abend Auftritte der lebenden Blueslegenden Super Chikan und Johnny Lowboy im ehemaligen Kinopalast New Roxy. Der Ground Zero Blues Club – rustikale Musikkneipe des Filmstars Morgan Freeman – wird zum Schauplatz einer Jamsession mit dem Slide-Gitarristen und Mundharmonikaspieler Watermelon Slim als Gastgeber, des Cigar Box Guitar Blowout.

Clarksdale ist berühmt für „The Crossroads“: Am Zusammentreffen des „Blues Highway“ 61 mit der Route 49 erinnern zwei gekreuzte Gitarren an den faustischen Handel aus den 1920ern, als der fahrende Gitarrist und Sänger Robert Johnson dem Teufel seine Seele verkaufte, um den Blues noch besser spielen zu können. Die Aufnahmen davon zählen zu den Klassikern amerikanischer Musik.

Cigar Box Guitars in ihrer Urform – aus Zigarrenkisten, in denen wirklich einmal gerollter Tabak lag – werden im gut anderthalb Stunden entfernten Memphis noch in einer kleinen Manufaktur gefertigt. Dieses handwerkliche Kleinod schräg gegenüber dem berühmten Sun Studio gelegen, St. Blues Guitars, lässt Besucher bei der Herstellung zusehen.

Der Staat Mississippi erschließt sein reiches afroamerikanisches Musikerbe mit dem Mississippi Blues Trail. An vielen historischen Orten wie Robert Johnsons Grab bei Greenwood, aber auch vor aktuellen Spielorten wie Red’s Lounge in Clarksdale und Club Ebony in Indianola nahe dem großen B.B. King Museum & Delta Interpretive Center stehen die blauen Informationsschilder des Mississippi Blues Trail. Eine App weist den Weg, erklärt vieles und bietet auch Hörbeispiele. Bis zum 200. Gründungsjubiläum des Staates Mississippi im Dezember dieses Jahres soll das 200. Schild aufgestellt sein. Die Mississippi Blues Commission pflegt den Mississippi Blues Trail und bietet auf ihrer Website einen Kalender an, der fortlaufend Live-Konzerte in Clubs auflistet, in der warmen Jahreszeit auch die vielen Festivals im Staat. Zu den größten davon zählt das Delta Blues Festival in Greenville, das dieses Jahr am 16. September steigt.

(IAM)

%d Bloggern gefällt das:
Advertisment ad adsense adlogger