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Bonjour & buongiorno, Miss Madame!

Eva Noblezada und Devin Ilaw in Miss Saigon. - Foto: Matthew Murphy Eva Noblezada und Devin Ilaw in Miss Saigon. - Foto: Matthew Murphy

Vorhang auf für eine multikulturelle Zusammenkunft! Wenn sich eine asiatisch angehauchte Geschichte, basierend auf einem französischen Roman mit Bühnenpremiere in Italien zusammen mit einem in England uraufgeführten Musical im selben Spieljahr niederlässt, dann kehren zwei beliebte Klassiker stilvoll zurück an den New Yorker Broadway: Miss Saigon und Madame Butterfly.

Es heißt, ein Täter kommt immer an den Ort seines Verbrechens zurück. Eines der wohl schönsten „Verbrechen“ verursachte Miss Saigon vor ziemlich genau 26 Jahren, am 11. April 1991, mit einer glorreichen Broadway-Premiere. Nun ist die alte Bekannte in einer neuen Inszenierung unter der Regie von Laurence Connor und produziert von Cameron Mackintosh zurück an der berühmtesten Theaterstraße der Welt, nachdem sie in 28 Ländern und über 300 Städten in 15 verschiedenen Sprachen aufgeführt wurde, mehr als 40 Preise absahnen konnte und seine Geschichte bis dato mehr als 35 Millionen Zuschauern weltweit erzählte.

Gewagt, aber treu: Die Neuinszenierung verfolgt einen mutigeren, realistischeren Ansatz als das Original von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg, behält aber genau das, was bereits so viele Menschen in ihren Bann gezogen hat – eine kraftvolle, episch schwungvolle Partitur, die sich in aller Ohren rund um den Globus seit jeher festgesetzt hat. Die junge, durch den Krieg verwaiste Kellnerin Kim sieht sich durch ihr Schicksal gezwungen, in einer Bar des berüchtigten Schurken Tran Van Dinh zu arbeiten. Dort trifft sie auf den amerikanischen GI Chris, in den sie sich prompt verliebt, bevor ihre beider Leben durch den Fall Saigons auseinandergerissen werden. Nun steht Kim vor einer drei Jahre langen Reise, in der sie verzweifelt um ihr eigenes Überleben kämpfen muss und nach Chris sucht, der wiederum keine Ahnung hat, Vater geworden zu sein…

Während Miss Saigon seit dem 23. März 2017 ihr Publikum zu Tränen rührt, fiebert Puccinis Meisterwerk Madame Butterfly seiner Premiere am 2. November 2017 in der Metropolitan Opera sehnsüchtig entgegen. Genau wie das Musical basiert die Geschichte auf dem Roman Madame Chrysanthème von Pierre Loti aus dem Jahr 1887 und verbreitete seine legendären Arien über die unglückliche Liebe einer Japanerin zu einem US-Amerikaner erstmals im Jahr 2006 an der Grande Dame des New Yorker Lincoln Centers. Die Neuproduktion startet mit Hui He und Ermonela Jaho in der tragischen Titelrolle der zutraulichen Geisha sowie mit Roberto Aronica und Luis Chapa als ihren amerikanischen Liebhaber in die Saison 2017/2018. Jader Bignamini und Marco Armiliato dirigieren, bevor sich der Vorhang vor der Szene des Hügels oberhalb von Nagasaki am 16. März 2018 wieder schließt. Ab dann ist Butterflys kleine Schwester Miss Saigon erstmal wieder auf sich alleine gestellt. Doch wie allgemein bekannt und stets erzählt, kommt der Täter früher oder später an den Tatort zurück – das gilt auch und besonders für Opern.

(IAM)

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